3-tägige Rennradtour von Dachau nach Salzburg – Abenteuer am heißen Sommerwochenende

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Für das Rennradfahren habe ich mich im letzten Sommer begeistert. Ein Jahr lang konnte mich mein Freund nicht überzeugen, dass es mir Spaß machen kann. Ich behauptete, dass es für mich zu schwierig und zu extrem ist. Anfang Juli entschloss ich mich jedoch ganz spontan, das kleine Rennrad eines Bekannten auszuprobieren, das bei uns im Keller gestanden hat. Mein Freund montierte die Klickpedale ab und befestigte die normalen Pedale am Rennrad. Es klappte auf Anhieb und die 20-km Probefahrt machte mir Riesenspaß. In kommenden 10 Tagen unternahmen wir mit meinem Freund ein paar 50-km Touren, was mir meine Kondition gerade so erlaubt hatte.

Zwei Wochen später, Mitte Juli komme ich auf die spontane Idee, eine Rennradtour von Dachau ins Salzkammergut am Wochenende zu unternehmen. Mein Freund will lieber ins Hochgebirge fahren, weil es sehr heiß ist, über 30 Grad. Ich finde, dass es an einem heißen Wochenende die einzige Möglichkeit ist, mit nur einer winzig kleinen Satteltasche 3 Tage lang unterwegs zu sein. Ansonsten braucht man doch so viel Gepäck.

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Wir einigen uns und packen sehr schnell unsere Sachen. Ich kann nicht viel mitnehmen, weil die Satteltasche so klein ist. Bei der Hitze braucht man allerdings nicht so viel und man kann die leichten Klamotten waschen. Folgende Sachen nehme ich mit: 2 Tops, ein Radtrikot, Unterwäsche, Ärmlinge, Beinlinge, eine leichte Windjacke, eine kurze Hose, ein Bikini, Flip Flops, ein Gästehandtuch, ein Kosmetikbeutel, ein kleiner Geldbeutel mit Ausweis und EC-Karte.

Da wir erst am späten Vormittag  starten, haben wir kaum Zeit für Zwischenstopps. Dazu ist es sehr heiß, eigentlich viel zu heiß, um die erste längere Rennradtour bei meiner noch schlechten Kondition zu machen. Deshalb habe ich auch wenig Bilder von dieser Tour. Am ersten Tag habe ich erst am Abend den Radweg fotografiert.

Unsere Tour haben wir nur grob geplant. Zuerst fahren wir von Dachau über Ismaning, den Speichersee und den Ebersberger Forst. Auf der langen, schattigen Strecke im Wald bin ich sehr hungrig. In Ebersberg müssen wir dringend was essen und finden einen Vinzenzmurr, wo wir auch das Wasser für die weitere Fahrt kaufen. Gestärkt fahren wir weiter. Ich bin noch sehr motiviert und will möglichst weit fahren.
Bei Rot können wir die Straße auf Anhieb nicht finden, die zur Inn-Brücke führt und verlieren etwas Zeit. Danach geht es über Halfing und Bad Endorf Richtung Chiemssee.

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Am Abend, nach 100 km Fahrt mit vielen Höhenmetern, komme ich an meine Grenzen, aber hoffe, dass wir in Prien am Chiemsee bald eine Unterkunft finden. Mein Freund meint, dass es in der Vergangenheit kein Problem war, auf den Radtouren vor Ort eine Pension oder ein Gasthof zu finden. Diesmal haben wir aber kein Glück. Es ist schon 20:3o und alle Hotels am See sind belegt. Mein Freund will zum nächsten größeren Ort fahren, der nicht direkt am Chiemsee liegt. Ich setze mich am Straßenrand, will nicht mehr fahren und irgendwo Pizza essen. Danach schaffe ich doch noch ca. 15 km brav zu radeln. Kurz vor 22:00 finden wir ein Zimmer in einem Hotel, nicht besonders günstig, aber sind froh, dass wir eine Unterkunft haben. Meine Laune ist am Anfang sehr schlecht, weil ich Riesenhunger habe und statt Pizza gibt es ein gegrilltes Fleisch. Nach dem Essen entspanne ich mich und bin stolz auf mich, dass ich meine erste längere Rennradstrecke (ca. 120 km) geschafft habe.

Am nächsten Tag frühstücken wir gemütlich im hübschen Garten des Hotelrestaurants und gegen 10:30 starten wir.

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Wir fahren am Chiemsee entlang und genießen immer wieder herrliche Blicke auf den großen bayerischen See. In Seebruck machen wir zwei kurze Fotopausen. Danach führt die Strecke durch die wunderschöne, hügelige Gegend.

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Irgendwo auf der Strecke essen wir zu Mittag bei Burger King. Es stellt sich heraus, dass es wieder ein Fehler war, nichts zum Essen dabei zu haben. Ich bekomme nämlich plötzlich Hunger, verliere schnell Kraft und kann ohne Essen kaum weiter fahren.

Unser Zwischenziel an diesem Tag ist der Waginger See, den wir gegen 15:00 erreichen. Eine längere Pause, Abkühlung im See und leichte Mahlzeit mit kaltem Getränk tun mir nach dem halben Tag Fahrt in der Hitze sehr gut.

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Übernachten wollen wir am Obertrumer See, der in der Nähe des Salzkammerguts liegt. In Obertrum kommen wir wieder gegen 20 Uhr an und ich fühle mich nach 100 km Fahrt genau so wie am Vortag. Unsere Aussichten auf ein Dach über den Kopf sind ebenfalls hoffnungslos. Es ist noch schlimmer als am Chiemsee, weil am Obertrumer See gerade an diesem Wochenende ein Triathlon stattfindet und alle Unterkünfte in der Gegend ausgebucht sind. Ich bin verzweifelt, habe Hunger und will nicht weiter fahren. Es ist so heiß draußen und ich sage zu meinem Freund, dass wir irgendwo am See übernachten können. Das will er aber nicht und überzeugt mich noch 20 km nach Salzburg zu radeln. Es ist sehr spät und wird dunkel. Wir haben kein gutes Licht, lediglich eine kleine Lampe und müssen an einer stark befahrenen Straße fahren. Nach einer Stunde erreichen wir ein Stadtviertel im Norden von Salzburg. Dort finden wir schnell ein Hotel und nach einer kurzen Erfrischung unter der Dusche gehen wir zum McDonald’s. Diesmal brauche ich keine Pizza und bin froh, dass ich um die Zeit überhaupt noch was zum Essen bekomme.

Beim Frühstücken am nächsten Tag treffen wir die Entscheidung, unsere Tour möglichst schnell zu beenden. Es ist sehr heiß und nach fast 250 km Fahrt bin ich schon ermüdet.
Auf Radwegen an der Salzach entlang fahren wir in die hübsche Innenstadt von Salzburg. Dort schieben unsere Rennräder durch die Gassen der Altstadt und besuchen ein Eiscafé an der Salzach.

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Danach verlassen wir die Innenstadt und fahren an der Saarlach entlang, dem kleineren Fluss westlich von Salzburg. Der Weg verläuft direkt am Fluss und ist asphaltiert. Wir genießen die wunderschöne Landschaft mit der Saarlach an der rechten Seite und den Bergen vorne.

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Unsere Freude dauert aber nicht lange. Wir fahren an der Grenze mit Deutschland vorbei und der asphaltierte Weg hört auf. Wir haben aber keine Lust umzudrehen und entscheiden uns, langsam und vorsichtig auf dem Schotterweg zu fahren.

Es ist unerträglich heiß und ich komme auf die Idee, mein Rosa-Top auszuziehen. Einige Zeit lang fahre ich im Bikini-Oberteil. Gegen 14:00 machen wir eine Rast an einer idyllischen Stelle an der Saarlach. Zum Abkühlen tauchen wir ein paar Male im eiskalten Fluss und es tut wirklich gut.

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Danach verlassen wir den wunderschönen Radweg am Fluss und fahren auf asphaltierten Straßen nach Bad Reichenhall.

Dort besuchen wir ein Lokal in der Fußgängerzone und suchen den Bahnhof. Meine erste mehrtägige Rennradtour geht nun zu Ende.

Für den Heimweg brauchen die Züge nur 2 Stunden. Viele würden sagen, wozu man denn eine solche anstrengende Radtour unternimmt, wenn man die gleichen Ziele bequem mit dem Auto oder Zug erreichen und noch mehr besichtigen kann. Die Antwort hat schon der Konfuzius vor 2050 Jahren gegeben: “Der Weg ist das Ziel”.

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Auf dem Weg nach Bad Reichenhall haben wir so viel schönes gesehen und erlebt, was im Auto oder Zug nicht möglich gewesen wäre. Wir haben das Ziel auf den Rennrädern, mit der Kraft des eigenen Körpers erreicht und das gibt das Gefühl der Unabhängigkeit und Stärke. Die ganzen Schwierigkeiten auf der Strecke hatten nach ein paar Tagen keine Bedeutung mehr und verstärken noch das Gefühl, dass die Rennradtour ein großes Abendteuer war.

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