Bergtour auf den Hohen Ziegspitz von Garmisch aus – Gipfelglück bei mediterranen Temperaturen Mitte November

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Am Dienstag Mitte November sieht das Wetter viel versprechend aus: 18 Grad in Garmisch-Partenkirchen, was für die Jahreszeit schon unglaublich ist. Da wir mit meinem Freund beide selbständig sind und spontan frei nehmen können, nutzen wir das aus und fahren gleich nach dem Frühstück nach Garmisch.

Unser Ziel ist der Gipfel Hoher Ziegspitz (1864 m), der sich im Nordwesten von Garmisch befindet. Laut verschiedener Wanderführer im Internet handelt es sich hier um eine mittelschwierige Bergwanderung, für die der durchschnittliche Wanderer 5 Stunden 45 Minuten braucht (3:15 h Aufstieg und 2:30 h Abstieg).

Nach 2 Stunden Autofahrt von Dachau erreichen wir die beliebte Stadt in den Bayerischen Alpen. Unser Auto parken wir auf dem Wandererparkplatz in der Nähe des Tierheims am westlichen Rand der Stadt.

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Wir folgen dem Wegweiser Kreuzweg/Steppbergalm und wandern zuerst auf einem breiten Forstweg. Der erste Abschnitt ist relativ flach, ohne Wald und wir genießen die herrliche Herbstsonne. Im Rahmen meines Trailrunning-Trainings laufe ich hier langsam bergauf. Vor 5 Tagen klappte mein erstes Intervalltraining in den Bergen ganz gut und ich erreichte die Gindelsalm im Laufschritt. Es waren fast 400 Höhenmeter und 2,5 km.

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Nach einem Kilometer fängt aber mit dem steilen Aufstieg im Wald an und ich kann nicht mehr laufen. Wir gehen den Berg ziemlich schnell hinauf und nach 40 Minuten machen wir die erste kurze Rast.

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Wir haben noch einen langen Aufstieg vor uns und ich merke plötzlich, dass ich keine Lust habe. Der Weg im Wald scheint mir langweilig zu sein, die seltenen Blicke auf die Berge immer gleich und ich bezweifle den Sinn solcher  Anstrengungen. Ich mache mir jedoch nichts daraus, weil ich es schon kenne. Sobald es anstrengender wird, meldet sich der innere Schweinehund ziemlich laut. Mittlerweile habe ich gelernt, ihn zu ignorieren und weiß, dass er nach einer gewissen Zeit verschwindet. Ich versuche eher positive Gedanken einzuschalten und nach einer halben Stunde macht mir der Anstieg wieder Spaß. Ich begeistere mich für blattlose Bäume, genieße erste freie Blicke oberhalb des Waldes und fotografiere viel.

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Bald erreichen wir unser erste Ziel, die Stepbergalm (1592 m). Die urige Alm hat in dieser Jahreszeit geschlossen, aber auch einige andere Wanderer haben die Wanderungen zur Alm gemacht und wir sind nicht alleine. Wir machen hier eine längere Rast und essen unsere erste Brotzeit.

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Danach begeben wir uns auf den Weg auf den Hohen Ziegspitz, der hinter der Alm über einen Forstweg, teilweise wieder im Wald verläuft. Vor einem weißen Gebäude mit Brunnen mache ich ein paar Bilder. Danach erreichen wir eine Stelle, wo eine Bank steht und von der drei Wege abzweigen. Wir nehmen den falschen Weg und laufen ein Stück gerade aus. Der richtige Weg auf den Gipfel verläuft links vor der Bank, was man auch der Kompass-Karte sieht, aber es fehlt hier leider ein Wegweiser.

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Bis zum Gipfel ist es nicht mehr weit, aber der schmale, steinige und schattige Wanderpfad auf der Flanke erfordert Aufmerksamkeit. Nach 10 Minuten befinden wir uns auf einem sonnigen und ziemlich flachen Rücken zwischen dem Vorderen (1815 m) und Hohen Ziegspitz (1864 m). Hier muss ich ausgiebig fotografieren, weil es so wunderschön ist.

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Der Gipfel mit einem Gipfelkreuz scheint noch ziemlich weit entfernt zu sein, aber nach 15 Minuten mit einem steilen Aufstieg am Ende, erreiche ich den Hohen Ziegspitz. Mein Freund ist schon weit vorne. Für den Aufstieg haben wir insgesamt 2 Stunden mit vielen Pausen gebraucht. Allerdings sind wir wesentlich schneller als die durchschnittlichen Wanderer.

Oben ist es traumhaft schön. Die Rundumsicht bietet einmalige Blicke auf die berühmten Gipfel, die Zugspitze, die Alpspitze, den Daniel oder die Ehrwalder Sonnenspitze sowie Garmisch-Partenkirchen und Grainau. Man kann auch den Eibsee erkennen, aber die Sicht ist wegen der Sonne sehr schlecht.

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Den Gipfel haben wir für uns alleine, genießen die herrlichen Blicke und das tolle Wetter. Ich fühle mich unendlich glücklich und habe keine Zweifel, dass sich die Anstrengung gelohnt hat.

Wir verbringen eine wunderschöne Dreiviertelstunde auf dem Gipfel und kurz vor 3 Uhr fangen wir mit dem Abstieg an, der ca. 1 Stunde 45 Minuten dauert. Ich laufe flott bis zur Flanke den Berg runter, wo ich langsamer und vorsichtig gehe. Bis zur Stepberg Alm brauche ich nur eine halbe Stunde. Dort warte ich auf meinen Freund, der hinter mir langsamer geht, mache eine Rast auf der Wiese und genieße die Sonne.

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Danach nehmen wir einen anderen Weg, der teilweise auf dem Kramerplateauweg verläuft. Das ist ein ziemlich flacher Panoramaweg, an den ich mich noch von alten Zeiten erinnern kann. Im Sommer vor 7 Jahren haben wir mit meinem Ex-Mann eine Tagestour mit dem Auto nach Garmisch unternommen und einen Spaziergang mit dem Kinderwagen zum Gasthof gemacht. Sehnsüchtig schaute ich damals auf die Berge, die so weit und für mich unerreichbar waren.

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Nie hätte ich damals geglaubt, dass ich dort Jahre später eine spontane Bergtour mit 1200 Höhenmetern unternehmen und die Welt von oben betrachten werde.
Das ist wie ein neues Leben und ich bin sehr glücklich, dass ich die Möglichkeit habe, die zwei verschiedenen Lebensweisen kennengelernt zu haben. Ich habe mich für die aktive und sportliche entschlossen und möchte nie mehr so wie früher leben.

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