Familienwanderung von Mittenwald auf den Hohen Kranzberg – Wandern mit Kindern

Die meisten sportlichen Aktivitäten unternehme ich an den Wochenenden, an denen mein 9-jähriger Sohn seinen Papa besucht. Die zwei anderen Wochenenden im Monat verbringe ich in der Regel zu Hause, unternehme was mit meinem Sohn, laufe oder fahre eine kleine Rennradrunde und kümmere mich um das Zuhause.

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Am Samstag Ende Oktober ist das Wetter traumhaft schön, fast 18 Grad und sonnig. Wir beschließen mit meinem Freund, eine kleine Familienwanderung zu unternehmen. Mein Sohn ist nicht begeistert, weil er lieber mit den Freunden zu Hause spielen würde. Viel Bergerfahrung hat er auch nicht und ich suche einen kleinen Gipfel, um seine noch nicht so gute Kondition nicht zu überfordern. Bei Mittenwald finde ich den Hohen Kranzberg (1391 m), einen Gipfel, der viele schöne Blicke und zwei Einkehrmöglichkeiten bietet.

Gegen Mittag sind wir in Mittenwald, parken das Auto in einer Siedlung im Südwesten der Stadt und starten Richtung Lautersee. Gleich haben wir einen steilen Anstieg mit herrlichen Panorama-Blicken auf Mittenwald. Mein Sohn jammert, dass er keine Lust hat, aber geht weiter.

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Bald erreichen wir den Lautersee, der 100 Höhenmeter oberhalb von Mittenwald gelegen ist. Der kleine See sieht an diesem sonnigen Herbsttag bezaubernd aus. Wir machen eine kurze Rast am See und wandern weiter am Ostufer entlang. Hier ist der Wanderweg flach.

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Wir gehen an einer Kapelle vorbei, die mit dem Karwendelgebirge im Hintergrund ein wunderschönes Fotomotiv darstellt. Danach überqueren wir eine kleine Brücke und danach verläuft der Wanderweg im Wald. Wir befinden uns auf einem bekannten Barfußweg von Mittenwald, aber bei der Jahreszeit sind keine Anhänger der Barfußwanderungen weit und breit zu sehen.

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Jetzt fängt es mit dem Anstieg an. Mein Sohn ist nicht begeistert und jammert wieder, aber ich weiß, dass für ihn zu schaffen ist und mache mir nichts daraus. Er macht regelmäßig Sport wie Tennis und Radfahren im Verein, fährt mit mir bei der warmen Jahreszeit viel Rad und schwimmt gerne. Überall sind noch kleinere Kinder zu sehen, die tapfer mit den Eltern wandern. Mein Sohn schaltet aber seinen Kopf ein, weil es anstrengender ist als all das, was er kennt und hat keine Lust.

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Nicht anders wird es bei uns Erwachsenen sein. Wenn es anstrengend wird, haben wir keine Lust mehr und dann entscheidet der starke Willen und die Motivation, ob wir weiter machen oder aufgeben. Mich motivieren immer die wunderschönen Landschaften und nach einer kurzen Erholungspause habe ich wieder Kraft und Lust.

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Kurz vor dem Gipfel liegt die St. Anton Hütte mit einem wunderschönen Blick auf den Lautersee und die Berge. Es ist ein beliebtes Wanderziel vom Mittenwald aus und das Gasthaus ist stark besucht.

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Für die Kinder gibt es einen kleinen Spielplatz mit Blick. Nach einer kurzen Pause begeben wir uns auf den Weg zum Gipfel.

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Ein paar Mal höre ich noch von meinem Sohn „Ich habe keinen Bock mehr“, aber er schafft es zum Kranzberghaus, das direkt unterhalb des Hohen Kranzbergs gelegen ist.

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Wir suchen uns einen schönen Platz im Gasthaus, bestellen was zum Essen und Trinken und genießen die herrliche Aussicht auf die hohen Gipfel des Karwendelgebirges. Nach dem Essen und der längeren Pause wird die Laune meines Sohnes wieder besser.

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Danach rennen wir schnell auf den Gipfel, wo sich viele andere Wanderer aufhalten. Dort finden wir noch einen freien Platz auf einer breiten Holzbank und genießen die traumhafte Rundumsicht.

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Mein Sohn fängt jetzt an, Spaß an der Wanderung zu haben. Er weiß, dass er den anstrengenden Anstieg hinter sich hat und freut sich, dass er das geschafft hat.

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Erstaunlicherweise dauert der Abstieg nicht lange. Ich erzähle meinem Sohn, dass ich sehr gerne bergab laufe und er probiert es aus. Das macht ihm Spaß und er rennt schnell auf dem breiten Weg runter. Ich muss immer wieder bitten, dass er langsamer läuft, weil es gefährlich sein kann. Diesmal bleibt mein Freund weit hinter uns.

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Nach einer Stunde sind wir beim Auto. Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn, dass er die 10-km Wanderung mit 600 Höhenmetern geschafft hat. Zu Hause hat er eine gute Laune und darf etwas auf dem Smartphone spielen.

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Zukünftig werde ich viel häufiger mit meinem Sohn wandern. Auch im späten Herbst und im Winter sind kleine Wanderungen möglich. Selbst bei uns in Bibereck bei Bergkirchen gibt es Feld- und Waldwege mit einigen Höhenmetern.
Mir ist es sehr wichtig ist, dass mein Sohn es lernt, Spaß an der Bewegung an der frischen Luft zu haben und sie zu genießen. Die Kinder müssen das anscheinend lernen. Wenn sie dazu keine Möglichkeit haben, werden sie wahrscheinlich keinen Spaß daran im Erwachsenenleben haben.
Ich bin in einem kleinen Ort im Nordosten Polens aufgewachsen und habe mich viel inmitten der schönen Natur dort bewegt. Damals haben mich die Landschaften dort nicht beeindruckt. Ich habe die Seen, Felder, grüne Wiesen und Wälder für sehr langweilig gehalten. Der erste Kontakt mit der Natur wurde aber bei mir hergestellt und ist für immer geblieben. Kein Wunder, dass es mir danach nicht so gut ging, als ich fast 20 Jahre mit so wenig Bewegung an der frischen Luft gelebt habe, die ich immer gebraucht habe.

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