München Marathon am 11.10.2015 – man soll sich Ziele setzen und versuchen, sie zu erreichen

Am 9. September habe ich mich ganz spontan für den München Marathon angemeldet. Ich habe nämlich gemerkt, dass ich weniger Spaß am Laufen habe, meine 10-km Läufe eher aus Pflichterfüllung mache und auf längere Läufe keine Lust habe. Um länger zu laufen fehlen immer Zeit und Motivation und die kurzen Läufe sind zur Routine und somit langweilig geworden. Die Teilnahme am Marathon ist eine perfekte Möglichkeit, mir ein neues Ziel zu setzen und mich zu längeren Läufen zu motivieren.

Am 11. Oktober ist es so weit. Die Startunterlagen hole ich am Vortag in der Olympiahalle ab. Dort findet eine Messe statt und ist einiges los. Ich bin ziemlich aufgeregt, weil es mir bewusst wird, dass ich mir was besonderes vorgenommen habe und meine Vorbereitung nicht ausreichend ist. Der erste 28-km Lauf nach Indersdorf war ein Misserfolg, weil ich nach 22 km nur noch schnell gehen konnte. Die darauffolgenden Läufe, 40 km und 30 km waren sehr anstrengend. Ich habe viele Pausen gemacht und bin teilweise gegangen.

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Der Start ist um 10 Uhr im Olympiapark, in der Nähe der Olympiahalle. Meine beiden Männer, mein Sohn und mein Freund begleiten mich. Für meinen Sohn ist es ganz spannend, weil er noch nie einen Marathon vom Nahen gesehen hat. Für mich ist es ein besonderes Gefühlt, zwischen 23.000 begeisterten Marathonläufern zu stehen. Genau vor 5 Jahren mit 38, im Oktober 2010, habe ich mit dem Sport auf dem Heimtrainer angefangen und hätte damals nie geglaubt, dass ich je im Leben einen Marathon laufen werde.
Die Musik ist laut und sorgt für die richtige Laufstimmung. Das Wetter ist ideal zum Laufen, um 10 Grad und bewölkt. Ich habe ein dünnes, langärmliges Sport-Shirt und eine ärmellose Windjacke angezogen, was perfekt für mein geplantes Tempo 6:00 und das Wetter am Marathontag ist.

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Kurz vor 10 Uhr stelle ich mich in der Gruppe der Läufer auf, die den Marathon in 4 Stunden 15 Minuten absolvieren wollen. Die nette Pacemakerin Sandra Mastropietro ist mir aus Facebook-Gruppen bekannt. Eigentlich will ich mir für meinen ersten City-Marathon Zeit nehmen und hoffe, den München Marathon in 4:30 zu finishen. Aber mein Freund, der schon 7 Marathons gelaufen ist, meint, die Läufer in der Gruppe 4:30 sind sehr langsam.

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Wir starten und laufen am Anfang durch den Olympiapark. Es ist schwierig, in einem bestimmten Tempo zu laufen, weil man zwischen so vielen Läufern umgeben ist. Nach zirka 2 km entspannt sich alles und ich sehe, dass mir das konstante Tempo des Pakemakers 5:50 zu langweilig ist. Ich laufe etwas schneller im Tempo 5:30 und mache Bilder. Wir laufen durch Schwabing, am Nordbad vorbei, rechts ist das Siegestor zu sehen und erreichen nach über 1 Stunde den Englischen Garten.

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Die ersten 20 km sind für mich unproblematisch und ich habe viel Spaß, mit tausenden anderen Marathonteilnehmer durch München zu laufen und von unzähligen Zuschauern angefeuert zu werden. Nach dem 25. Kilometer wird es aber immer anstrengender und mein Tempo ist nur noch 5:58. An den Getränkestellen bleibe ich kurz stehen und trinke Wasser. Es ist nicht mehr so einfach, mit dem Pacemaker zu laufen. Mein Kopf ist aber noch motiviert und ich will 32 km im Laufen schaffen.

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Den 30. Kilometer erreichen wir kurz vor dem Marienplatz. Es ist wirklich ein tolles Gefühl, in die Altstadt, das Herz von München zu kommen. Am Marienplatz, der voll von Zuschauern ist, mache ich mehrere Bilder. Dort drehen wir um und laufen zum Odeonsplatz, an der Ludwigstrasse entlang, wieder durch Schwabing und zurück zum Olympiapark.

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Die letzten 10 km sind nur meine normale, „langweilige“ Laufstrecke, allerdings ist jetzt nichts mehr normal und langweilig. Ich bin immer müder und langsamer, will aber jetzt unbedingt mit dem Pacemaker Sandra, den Marathon in 4.15 finishen. Mein Kopf ist noch motiviert, die Beine sind auch nicht das Problem, aber scheinbar ist es die fehlende Ausdauer nach dem 30. Kilometer die Ursache, dass es so schwierig ist.

Dann fehlen es nur noch 4 km, aber bin sehr nah, mein  Ziel, die Zeit 4:15 aufzugeben, abwechselnd schnell gehen und langsam laufen. Irgendwie schafft mein Kopf, positiv zu denken „Schau, du hast schon 38 km geschafft“ und ich überwinde mich, weiter zu laufen. Kurz vor dem Ziel, bin ich noch in der Lage, die letzten Meter schnell zu laufen, um gegen 14:30 zusammen mit den beiden Pacemakern und deren Gruppe ans Ziel auf dem Olympiastadion zu kommen.

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Ich bin erschöpft und merke erst jetzt, dass die Beine total müde sind. Trotzdem bin ich glücklich und sehr stolz auf mich, dass ich mein Ziel nicht aufgegeben und es geschafft habe, den ersten City-Marathon in 4 Stunden 14 Minuten zu finishen.

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Danach trinke ich eine Apfelschorle und esse zwei Stück Kuchen. Das tut wirklich gut. Um den unten gelegenen Station zu verlassen, muss ich noch die steile Treppe hochgehen. Oben wartet mein Freund auf mich, der sehr erstaunt und stolz auf mich ist, dass ich nur 4.14 gebraucht habe.

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Meinen Sohn sehe ich erst 3 Stunden später, weil er den Kindergeburtstag von einem Freund im Hallenbad noch feiert. Wenn ich ihn abhole, bin ich schon richtig erholt und nur noch die Beine sind sehr kaputt. Sie werden sich erst in ein paar Tagen erholen und ich muss eine gewisse Regerationsphase beachten. In den ersten drei Tagen soll ich gar nicht laufen, höchstens gemütlich schwimmen, mit meinem Sohn Rad fahren oder spazieren gehen. Am vierten Tag kann ich vielleicht sehr langsam laufen, aber noch besser ist eine kleine Rennrad-Runde, weil es eine ganz andere Belastung für die Beine ist.

Während der anstrengenden Trainings habe ich gedacht, dass es mein erster und letzter City-Marathon sein wird. Mittlerweile hätte ich Lust, im nächsten Jahr im April in Wien oder Paris zu laufen. In Paris bin ich noch nie gewesen. Ich könnte beides verbinden: am Marathon teilnehmen und die schöne Metropole besichtigen. Die Trainings während des langen Winters können wir mit meinem Freund gemeinsam machen. Er braucht es unbedingt, weil er sich was besonderes vorgenommen hat. Am Tag des München Marathons, wohl durch mich motiviert, hat er sich zu seinem ersten großen Ironman in Zürich im Juli angemeldet. Da ist ein Marathon, 42 km laufen nur eine „kleine“ Herausforderung.

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