Wie ich mich an meine Kinderträume von Abenteuern und schönen Landschaften erinnert habe

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Gestern habe ich einen interessanten Artikel Leidenschaft und Kindheit auf dem Blog visionsgarten.com entdeckt und er hat mich inspiriert, einen eigenen Artikel zu diesem Thema zu schreiben.
Als Kind habe ich von Abenteuern, schönen Landschaften, Bergen und fernen Ländern geträumt. Diese Leidenschaft entstand gleich nach den ersten Stunden des Geographieunterrichtes im Alter von 10 Jahren, als ich eindrucksvolle Bilder von der Welt gesehen habe. Da ich aber im Nordosten Polens lebte, weit weg von den Bergen, konnte ich meine Träume von Reisen nicht verwirklichen. Im Alter von 12-13 Jahren machte ich eine Schulreise nach Südpolen. Zum ersten Mal habe ich die Berge gesehen, die Tatra. Ich war fasziniert und wie verzaubert, obwohl wir nur einen Tag in den Bergen verbrachten. Erst mit 20 hatte ich dann die Möglichkeit, mit einer Freundin und ihren Bekannten eine Woche in der Tatra zu wandern und es war traumhaft schön.

Im Sommer 1994 während meines Germanistikstudiums an einem Fremdsprachenkolleg in Polen lernte ich die Alpen kennen. Mit einem Bekannten aus Wien, einem begeisterten Wanderer und Bergsteiger verbrachte ich mehrere Wochen während der Sommerferien in den Alpen. Ich trieb damals keinen Sport und hatte überhaupt keine Kondition, aber die hohen Berge übten auf mich eine solche Faszination aus, dass ich Kraft hatte, um alle Touren mitmachen zu können. Wir bestiegen sogar ein paar Viertausender wie Weißmies in der Schweiz und Barre de Escrins in Frankreich.

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Trotz meiner Begeisterung für die Berge, pflegte ich danach die Leidenschaft nicht mehr, obwohl ich dazu endlich hervorragende Möglichkeiten hatte. Nach dem dreijährigen Germanistikstudium in Polen entschloss ich mich, in München zu studieren und es ist mir sogar gelungen, den begehrten Studienplatz für Tourismus an der Fachhochschule zu bekommen. Trotz des Germanistikstudiums in meinem Heimatland waren meine Deutschkenntnisse nicht so toll und die ersten Semester waren sehr schwierig. Da ich neben dem Studium noch jobbte, um mein Studium zu finanzieren, blieb keine Zeit für längere Freizeitaktivitäten. Die alte Faszination, die Berge, obwohl sie in München fast vor der Haustür lagen, geriet allmählich in Vergessenheit. Stattdessen entdeckte ich eine neue Leidenschaft, das Mittelmeer. Im Sommer 2000 besuchte ich meine Freundin, die auf Mallorca als Reiseleiterin arbeitete. Ich war schon 28, aber es war meine erste Flugreise. Die mediterrane Insel mit ihren wunderschönen Landschaften, Stränden, Küsten und heißem Klima hat mich verzaubert. In kommenden Jahren besuchte ich andere Reiseziele wie Sizilien, die Algarve, Kuba oder die Türkei.

Nach der Geburt meines Sohnes 2006 konnte ich die Leidenschaft für die Reisen und das Meer noch intensiver ausleben, weil mir das meine Tätigkeit im Onlinebereich ermöglichte. Zwischen 2006 und 2011 machten wir ca. 25 Flugreisen ans Mittelmeer und auf die Kanarischen Inseln, einige davon waren sogar Langzeiturlaube im Winter zwischen 3 und 5 Wochen.

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Sicher gehörten die vielen Urlaubsreisen nicht mehr zu meinen Kinderträumen. Es waren Pauschalreisen aus meinem Online-Reisebüro, typische Badeurlaube mit vielen Sighseeing-Touren, aber mit Abenteuern hatten sie wenig zu tun. Kurzfristig genoss ich die Zeit auf den schönen Inseln wie Teneriffa, Mallorca oder Sardinien, aber langfristig verlernte ich ganz, die schöne Natur vor der Haustür zu genießen. Mit dem Papa meines Sohnes unternahmen wir immer wieder Tagestouren in die Berge, wo wir etwas spazieren gingen, fotografierten und Kaffee, Kuchen und gutes Essen genossen. Die Berge, Leidenschaft aus meinen Kinderträumen, faszinierten mich nicht mehr und interessierten wenig. Sie waren zwar fast greifbar, aber unerreichbar, weil meine schlechte Kondition und bequeme Lebensweise nicht erlaubt haben, sich in die wunderschöne Bergwelt zu begeben, abeseits der Touristenströmen.

Alles änderte sich als ich Ende 2010 mit Sport angefangen habe. Langsam habe ich das verlorene Gefühl für die Natur bei uns entwickelt und die warme Jahreszeit beim Laufen, Inlineskaten und Radfahren zu Hause genossen.

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2,5 Jahre später nach der Trennung von meinem Ex-Mann, lernte ich meinen Freund kennen, der all das in der Freizeit auslebte, wovon ich als Kind immer träumte. Ich machte mit Begeisterung alles mit: Mountainbiken am Gardasee, kleine Wanderungen auf die bayerischen Hausberge, Mountainbike-Tour zum Karwendelhaus mit Bergsteigen des Dreitausenders der Birkkarspitze, Langlaufen im Winter und ein Jahr, Rennradtour in das Salzkammergut.

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Mit 41 habe ich ein neues Leben begonnen, das Leben, das ich mir als Kind wünschte. Ich unternahm all die schönen, jedoch körperlich anstrengenden Aktivitäten nicht für meinen Freund, sondern für das verloren gegangene Kind und es freute sich sehr. Einmal beim Langlaufen im Winter im Vinschgau war ich von der herrlichen Bergwelt sehr gerührt. Ich dachte, wie konnte ich die Liebe zu den Bergen ganz vergessen, so lange ein langweiliges Leben führen und musste etwas weinen.

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Mir ist es gelungen, mich an die fast vergessenen Kinderträume von Abenteuern, schönen Landschaften und Bergen zu erinnern und anzufangen, sie zu verwirklichen. Ich war jedoch auch bereit, meinen Lebensstil und Wertvorstellungen zu ändern, wo Komfort, Bequemlichkeit, Geld und Normalität eine große Rolle spielten. Wer sein Leben verändern möchte, um glücklicher zu sein, muss die alten Wertvorstellungen dementsprechend anpassen, aber ich befürchte, dass es im Erwachsenenalter die wenigsten können und wollen.

 

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